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Dafür bin ich zu alt.

Autorenbild: Matthias Friedle
Matthias Friedle
26. Aug.
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Aug.

Blick über einen Garten auf die Berge von Franschhoek im Abendlicht

Ich ertappe mich in letzter Zeit bei einem Gedanken, den ich früher nicht kannte.

Wenn eine Idee auftaucht, die mehrere Jahre brauchen würde, denke ich manchmal:

Dafür bin ich zu alt. Das fange ich jetzt nicht mehr an.


Nicht bei Dingen, die nächste Woche erledigt sind. Sondern bei den großen Vorhaben. Etwas aufbauen. Ein langfristiges Projekt beginnen. Etwas lernen, bei dem man nicht nach drei Monaten am Ziel ist. Früher hätte ich zuerst gefragt, ob mich die Idee interessiert, ob sie sinnvoll ist und ob sie funktioniert. Heute mischt sich eine weitere Frage darunter:

Wie alt bin ich, wenn das fertig ist?


Gerade sind wir in Franschhoek in Südafrika, im Mont Rochelle – ein Ort, der mit Richard Branson verbunden ist, der mit 76 Jahren noch immer neue Projekte beginnt. Ausgerechnet hier denke ich darüber nach, ob ich für manches nicht schon zu alt bin. Nicht, weil ich glaube, dass man für nichts zu alt ist – das stimmt nicht. Zeit ist endlich. Und mit zunehmendem Alter wird diese Endlichkeit konkreter. Vielleicht ist deshalb auch die Frage falsch. Wie alt bin ich, wenn ich damit fertig bin?


Über Jahrzehnte war ich gewohnt, in langen Zeiträumen zu denken. Wer ein Unternehmen aufbaut, investiert Jahre, ohne zu wissen, was daraus wird. Wer Verantwortung übernimmt, denkt nicht nur an das nächste Quartal. Man baut Strukturen auf, entwickelt Menschen, investiert, verwirft und beginnt wieder von vorne. Zehn Jahre waren ein Planungshorizont.

Irgendwann werden zehn Jahre zu einem spürbaren Teil der verbleibenden Zeit.

Man kann daraus schließen, langfristige Dinge nicht mehr anzufangen. Oder man stellt eine andere Frage: Ist mir dieses Vorhaben zehn Jahre meines Lebens wert?


„Dafür bin ich zu alt" beendet die Überlegung.

„Ist es mir meine Zeit wert?" eröffnet sie.


Vielleicht muss ich auch nicht mehr alles zu Ende bringen


Dahinter steckt noch ein Gedanke, mit dem ich mich schwertue. Ich bin es gewohnt, Dinge zu Ende zu bringen. Ein Projekt hat einen Anfang, ein Ziel und irgendwann ein Ergebnis. Aber vielleicht ist auch das eine Vorstellung, die man irgendwann überprüfen sollte.

Ein Baum, den ich heute pflanze, muss nicht in meiner Lebenszeit seine volle Größe erreichen, damit es richtig war, ihn zu pflanzen.


Über Generationen war das selbstverständlich. Menschen bauten Häuser, pflanzten Alleen und entwickelten Unternehmen, von denen sie wussten, dass andere sie weiterführen würden. Vielleicht haben wir uns daran gewöhnt, zu sehr in der eigenen Lebensspanne zu rechnen.


Die verbleibende Zeit verändert die Entscheidung


Vielleicht auch, weil sich bei uns gerade die Idee für ein neues, größeres Projekt andeutet – eines, das uns nicht ein oder zwei Jahre, sondern sehr viel länger beschäftigen würde.


Nach vielen Berufsjahren muss nicht mehr jede interessante Möglichkeit verfolgt werden. Man muss nicht mehr überall dabei sein. Und man muss auch niemandem mehr beweisen, dass man noch etwas Großes aufbauen kann. Gerade darin liegt eine Freiheit, die ich früher nicht hatte. Ich kann genauer auswählen, wofür ich meine verbleibende Zeit einsetze.

Vielleicht werde ich manches deshalb tatsächlich nicht mehr anfangen. Und manches gerade deshalb.


Welche Entscheidung daraus wird, weiß ich noch nicht.


Vielleicht ist das auch für Sie die interessantere Frage: nicht, ob noch genug Zeit bleibt, sondern wofür Sie sie einsetzen möchten.

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